Ausgeblühmte 4 seitige Antwort auf die Frage:
Was war die Freude des Esels?
Traditionelle Weihnachtsleser verweise ich hier auf Waggerl, der hat
das sicher schon ordentlich beschrieben. Da ich aber keine Zeit zum Nachlesen
habe, bzw. keine Zeit, das Waggerl Buch zu suchen, so spekuliere ich:
Der arme Esel hat einfach deswegen vor Freude getanzt, weil er von seiner
wunderbaren Erwählung gehört hat, für den höchsten
der Höchsten und der Königin der Engel arbeiten zu dürfen.
Denn was vielen Exegeten verborgen ist: Esel sehen Engel-(Num 22,23) und
Esel bekommen als erstes den Ruf, das Wort Gottes zu tragen. Joh,12-14
Aber wie geschah das?
Als der Engel Gabriel Maria die Botschaft brachte, mußte er zuerst
beim Stall vorbei, und da war der Esel, und der Ordnung halber, hat der
Erzengel auch diesem Geschöpf den Plan Gottes geoffenbart und höflich
um seine Zustimmung gebeten: Mußte denn nicht auch der Esel JA sagen?
Ohne das Ja des Esels, wäre doch Maria nicht rechtzeitig im Stall
von Bethlehem gewesen! - Und das Ja sagen fällt bekanntlich einem
Esel viel einfacher, als allen anderen Geschöpfen dieser Erde: Denn
ein Esel kann nur I JA sagen, immer nur I JA!!
Das Ja war also Gabriel gewiß. Aber der Herr kennt die Seinen,
und er weiß, daß mit Ausnahme von Maria und anderen allerhöchst
Heiligen alle Geschöpfe, besonders die Esel, Motivation brauchen.
So bekam er als allerestes Geschöpf Einblick in den göttlichen
Heilsplan.
Nun, der Dialog Engel und Esel ist zwar nicht überliefert, aber
leicht nachzuvollziehen, da ja Engel in der Regel nur die Hl Schrift zitieren.
Ein Motivationsimpuls der Extraklasse, damit der Esel 8 1/2 Monate
später den weiten Weg mit Freude antreten , und den Stall von Bethlehem
finde konnte. .
Viel zum Essen bekommt ja so ein Stadtesel nicht, und so war der erste
Motivationsimpuls – der wirkt immer – das gute Essen:
„Die Rinder und Esel, die dir bei der Arbeit helfen, bekommen
würziges Futter zu fressen, das man mit Schaufel und Gabel gemischt
hat. Auf allen hohen Bergen und stattlichen Hügeln gibt es Bäche
voll Wasser am Tag des großen Mordens, wenn die Türme einstürzen.
30,24-25“
Steht bei Jesaja. Auch erklärt dieser Prophet, warum der Esel –
nur so kann es gewesen sein – den Stall zu Bethlehem gefunden hat:
„Der Ochse kennt seinen Besitzerund der
Esel die Krippe seines Herrn..“
ein klarer Beweis für die Routen Unterweisung.
So geht langsam klar hervor, daß der liebe Gott als erstes auf
das Wohl des Esels geachtet hat: In der Krippe bekam er den 5 Stern Komfort,
den er in keiner Herberge bekommen hätte, die ja bekanntlich in Saisonzeiten
auch ihre Ställe an die Reisenden zu Wucherpreisen vermieteten, die
armen Tiere mußten da sicher mit windigen und kalten Freiplätzen
vorlieb nehmen...
Der Esel hatte fast neun Monate Zeit, um diese Botschaft und seine Erwählung
und seine Vorrangstellung zu verarbeiten. Immer wieder dachte er an die
letzten Worte des Engels; und sie vielen ihm wieder ein, als Maria, von
Josef mit der Meldung überrascht, schnell nach Bethlehem aufbrechen
zu müssen, die Reisedecke über den Eselsrücken gelegt hatte.
Da diese Reisedecke sehr kostbares Spezialdesign war, welches sogar ein
Windeltransport Feature hatte, wußte der Esel in diesem Moment genau,
das nun er an der Reihe war. Und so I A te er:
Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel!
Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen,
Tochter Jerusalem! (Zef 3,14)
Ein Jauchzer, der schon hunderte Jahre das Volk Israel begleitet und
die Freude über den erwarteten Erlöser beschreibt. Da kann doch
nicht einmal ein Esel still stehen, wenn er plötzlich bemerkt, daß
die Prophezeiung wahr wird!
Und genau diese Freude des Bewußtseins seiner Erwählung dürfte
den Luftsprungtanz ausgelöst haben: Endlich wird er gebraucht!
Esel ist eben Esel, und wenn ein Esel sich freut, dann springt er halt
in die Luft und vergißt für einen Moment die strengen Auflagen
der Auserwählung, nämlich ganz besonders sorgfältig und
achtsam die kostbare Fracht zu befördern.
Und so passierte eben das Malheur: Maria bekam einen Freudentritt auf
ihre Haus - Sandale ab!
Sie dachte natürlich nicht, daß der Esel etwas Böswilliges
getan hätte, - treu nach dem göttlichen Grundsatz, im Nächsten,
selbst sei er ein Esel, immer das Beste anzunehmen, aber die Zehen taten
ihr schon weh danach.
Sie hat sich aber nicht abhalten lassen, dem Esel bis zu seiner verheißenen
Krippe zu folgen, in stiller Demut, den anderen Geschöpfen, trotzt
eigener Not, den Vortritt zu lassen. Denn die Geschichten von der Herbergsuche
sind allemal Phantasie von Wirtshausfeinden!
Ganz klar, mit göttlicher Logik besehen, daß der Schöpfer
alle seine Geschöpfe liebt, und alle, die den Schöpfer lieben,
lieben ebenso seine Geschöpfe, auch wenn sie noch die größten
Esel sein sollten.
So kann man sich das bei Maria denken. Maria hat ja auch noch an den
Ochs gedacht, der sonst alleine Weihnachten feiern hätte müssen.
Sollten wir da nicht alle jauchzen und jubeln, obzwar so einer großen
Vorsehung für uns. Wer feiert denn schon gerne Weihnachten alleine
?
Wer würde denn gerne anstatt vor einer einfachen Krippe, jedesmal
zum 24. Dezember ein riesen Bethlehem –Hilton oder Sheraton aufbauen
wollen, oder eine Geburtsklinik oder einen Herodespalast mit Welness und
Yoga Zonen? Das könnte sich doch niemand leisten, und wäre nur
etwas für die paar Prozent Reiche auf dieser Welt. Aber Ein Stück
Rinde, Moos, ein paar Figuren – das kann jeder aufbauen.
Ist man Hirte, erkennt man sich in den Hirten wieder, hat man mehr Geld,
dann bleibt nur noch Ochs und Esel übrig, in denen man sich wiederfinden
könnte. Der Ochs, das Urbild des „Work o Holy“, und der
Esel, das Beispiel für die auserwählten Menschen, die nie zu
dumm sind, den richtigen Weg zum Futtertrog zu finden und, wie diese Geschichte
zeigt, anderen auf die Zehen zusteigen und zu Ungunsten der himmlischen
Familie, für sich trotzdem das Beste erhalten – und –
so ist die göttliche Logik, am Schluß sind alle glücklich!
Für allemal ist aufgezeigt, dass dem lieben Gott lieber ein satter,
fröhlicher Esel bei seiner Krippe ist, als dass er selber für
sich irgendeinen Komfort beanspruchen würde. Was bleibt uns noch?
Nun, wir können nicht viel, aber wir können ihn wenigstens
in der Krippe besuchen. Auch wenn der Lebensweg des öfteren mühsam
und beschwerlich ist, am Ende können wir uns immer dafür bedanken,
dass er arm geworden ist, um uns reich zu machen, und dass für uns
die Futtertröge gefüllt sind, und gefüllt sein werden,
wenn wir dann von Bethlehem ins himmlische Jerusalem den Platz an seinem
Hochzeitsmahl einnehmen dürfen.
Auch ich möchte mich bedanken, bei Euch, daß ihr mich besucht
und für´s Futter oder die Nacht bezahlt habt, oder an mich
gedacht habt,
und beim Herrgott, dass er mir auch hin und wieder ein paar Esel geschickt
hat, die mir auf die Zehen getreten sind.
Er hat er mich bewahrt vor Feuer (am Allerheiligentag) und Wasser (Großwasserschaden
im Juni) und mir die nötigen Mittel geschenkt, damit ich mir einen
neuen Wasser-Feuer Ofen für die Küche anschaffen konnte: Trotz
Türmeinsturzes sind meine Gäste im September mit dem erst möglichen
Flug aus USA für 3 Monate gekommen – so dürfte das Wirtschaftsjahr
wieder ein Erfolg werden.
Das Mitarbeiter Team hat sich ordentlich verstärkt und ich bin nun
professionell gerüstet, den Weihnachtstreß einigermaßen
zu bewältigen, und mindestens Drei Sterne im nächsten Jahr zu
erreichen.
So sei hier auch diesen meinen guten Geistern gedankt: Lalith, mein alter/neuer
Oberkellner aus Sri Lanka, Johannes, der Hüttenbauer und Haushofmeister
mit Sanierungsdrang, der nebenbei auch das Personal verarztet, Sophie,
die erst vor kurzem engagiert worden ist, um die Männernachlässigkeiten
mit großer Mühe zu beheben, und mein Projekt des neuen Outfits
umzusetzten Gedankt sei auch meinen Zimmermädchen Dragita und Nada,
den vielen Aushilfen, allen voran Stephanie und Ferdinand, die mir hin
und wieder ermöglichen, wochenends auszubüchsen!
Auch darf ich die Engel nicht vergessen – immerhin – sie
besuchen uns plötzlich, verbreiten riesen Freude, man kann Sie nicht
binden, und ihre Verweildauer bestimmen sie selber, - wenn man sie überhaupt
zu Gesicht bekommt. Das ist nun einmal so bei Engel. Doch lassen einen
leuchtenden Stern zurück: sie setzten Zeichen der Hoffnung geben
Trost auf die Ewigkeit und sind unverzichtbare Motivationskanonen! (zumindest
für Esel)
Auch wenn ich lieber an den Futtertrögen im Bethlehem Stall äsen
würde...
Ich bleibe Wirt, mein Haus steht allen offen, die hungrig, durstig und
(kurzzeitig) ein Dach in der Festspielstadt brauchen.
Denn Jesus hat ja gesagt, ich war hungrig, und ihr habt mir nicht zu
essen gegeben... So freue ich mich, wenn Ihr mich wieder besucht, damit
ich dem Auftrag der Verköstigung weiter nachgehen kann,
Gruß aus dem Wartenberg Jerusalem
Johannes
P.S.: Bitte Weihnachtsamnestie für die Länge des Briefes !
Weitere Quellen:
Jeseia 1,3 Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines
Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.
Lk 2,16
Johannes 12,14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf -
wie es in der Schrift heißt:
Sacharia 9,9 Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe,
dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig
und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.
Zef 3,14; Mt 21,5
|

Johannes Wächter, ein Gastwirt aus Salzburg mit großem Missionsauftrag
Beten verändert die Welt
Von Alexa Gaspari
Haus Wartenberg in Salzburg: Ein romantischer, barocker Gasthof aus dem
Jahr 1686 mit einem malerischen, verwinkelten Innenleben, alten Bauernkästen
und liebevoll ausgestattet mit pittoresken Details, gemütliche Gasträume
und eine heimelige Stube, in der wir wunderbar bewirtet werden. Ein großer
Saal wie aus der Ritterzeit, doch mit zwei überlebensgroßen
Marienbildern (eines davon die Muttergottes von Guadalupe). Alles hier
strahlt eine Atmosphäre der Geborgenheit aus.
Tja, hier läßt sich gut ausruhen und auftanken. Auch gibt
es im Haus jede Menge christliche Literatur zu entdecken. Johannes Wächter,
Besitzer des kleinen Hotels, kann nämlich einem guten Buch, vor allem
mit anspruchsvollem, glaubensvertiefendem Inhalt, kaum widerstehen.
In einem der gemütlichen Zimmer beginnen wir unser Gespräch.
1965 in Wien als viertes von sieben Kindern geboren, hat er eine sorgenfreie,
frohe Kindheit “bis zur Geburt der nächsten Schwester",
wie er mir schmunzelnd erzählt. Der Vater ist ein vielbeschäftigter
Mann, der viel unterwegs ist. Ist er aber daheim, ist es schön, erinnert
sich Johannes. Sonntags in die Kirche gehen, findet der Bub damals eher
fad - aber es gehörte dazu.
Später stellen die Eltern es den Kindern frei, ob sie in die Kirche
gehen wollen oder nicht. Verbringt er dann den Sonntagvormittag im Bett,
stellt er jedesmal fest, daß ihm etwas abgeht. Nachdem der Vater
zum Diakon geweiht wird, geht Johannes ihm zuliebe regelmäßiger
in die Kirche.
Am liebsten erinnert er sich an die Sonntagsmessen im Tiroler Fieberbrunn
bei der Großmutter. Sie war evangelisch gewesen und ist als Erwachsene
zum katholischen Glauben übergetreten. Die Großmutter geht
jeden Tag in die Messe, und die Kinder merken wie wichtig ihr dieser Tagesbeginn
ist. Die Atmosphäre in der Bauernpfarre - alle sind sonntags festlich
gekleidet - ist eine wichtige Erinnerung für den Buben, der dann
auf dem Schoß der Großmutter sitzen darf. Die Bibelzitate,
mit denen die Großmutter das Leben der Familienmitglieder kommentiert
und würzt, bleiben auch unvergessen.
Heute ist Johannes froh, daß ihn die Eltern eine Zeitlang dazu
angehalten haben, in die Kirche zu gehen. Da ist viel Gutes und Wahres
wie selbstverständlich hängengeblieben. “Es war eine Art
Impfung, die wir da bekommen haben. Später wußte ich einfach,
was gut ist und was nicht."
Die Schule ist nicht seine Leidenschaft, allerdings ist er heute noch
für den Religionsunterricht, den er in der Albertus Magnus Schule
und später bei den Marianisten hatte, dankbar.
In dieser Zeit des Heranwachsens spielt die Suche nach Gott jedoch keine
bewußte Rolle. Mit 17 fährt Johannes zwar mit Bekannten nach
Medjugorje, aber für ihn ist es eigentlich nur Erlebnis-Tourismus.
Lächelnd gesteht er, daß er sich einen Stein, über dem
Maria erschienen ist,von dort mitgenommen hat .
Nach der Matura geht er zum Bundesheer, wird Leutnant der Reserve, studiert
kurze Zeit und macht schließlich die Hotelfachschule. Er möchte
nämlich recht bald für eine Familie sorgen können, denn
er ist verlobt. Nach Abschluß der Schule bietet sich die Möglichkeit
für ein Jahr nach Amerika zu gehen, um Praxis zu erwerben. Außerdem
gibt es da in Salzburg das Haus Wartenberg, das der Vater von der Großmutter
übernommen hat. Es ist zwar verpachtet, doch die Familie plant, es
einmal selbst zu führen.
Auf Grund verschiedener Umstände wird das, rascher als geplant,
verwirklicht: Johannes kehrt schon nach einem halben Jahr intensiven USA-Aufenthalts
- manchmal hat er im Hotel 7 Jobs auf einmal -, in die Heimat zurück.
Er übernimmt zunächst das Restaurant im Haus Wartenberg und
seine Mutter die Pension. Er arbeitet hart. Das ist gut so, denn er hat
einen großen Schmerz zu überwinden: die Verlobung wurde gelöst.
Johannes merkt zum ersten Mal, daß nicht alles im Leben so läuft
wie geplant auch wenn er sich sehr darum bemüht hat.
Das Zusammenleben mit den Eltern, die gemeinsame Arbeit gestalten sich
schwieriger als gedacht. Johannes fühlt sich überwacht und beobachtet.
Meinungsverschiedenheiten und Konflikte, hauptsächlich mit der Mutter,
mehren sich. Lächelnd erinnert er sich: “Am liebsten hätten
wir uns gegenseitig hinausgejagt. Ich wußte wohl, daß ich
die Mauer, die wir zwischen uns aufgebaut hatten, niederreißen müßte,
doch ich wußte nicht wie."
Da ergibt sich die Gelegenheit, mit dem Malteserdienst bei einer Krankenwallfahrt
nach Lourdes als Helfer mitzufahren. Von dem Wallfahrtsort weiß
er so gut wie nichts. Johannes ist froh, für kurze Zeit von zu Hause
wegzukommen. Lourdes beeindruckt ihn zunächst nicht. Das Helfen ist
anstrengender, als gedacht, vor allem wegen des griesgrämigen, gelähmten
Gastarbeiters, den er zu betreuen hat. So nützt er die Zeit der Messen
für ein Schläfchen.
Da sich bei seinem Patienten nichts ändert denkt sich Johannes:
“Jetzt probier' ich es einmal mit Gebet." Das hat Drago noch
nie gemacht und so betet Johannes vor. Der Kranke saugt seine Worte wie
ein Schwamm auf.
“Die Veränderung, die in den Tagen darauf in dem Mann stattfand,
war unglaublich: er hat so viel Fröhlichkeit ausgestrahlt, war richtig
lieb geworden, obwohl sich äußerlich nichts an seiner traurigen
Situation verändert hatte." Das bewegt Johannes zu einem langen
Gespräch mit einem Priester. Dieser erklärt ihm, er müsse
zunächst eine persönliche Glaubenserfahrung machen. Davon lebe
die Kirche: von den ganz persönlichen Begegnungen mit Gott. “Such',
mach' deine Augen auf, schau, wo du eine ganz persönliche Berührung
mit dem lieben Gott hast", trug er ihm auf. “Ich bin dann zur
Erscheinungsgrotte gegangen und habe folgendes gesagt: Lieber Gott, jetzt
bin ich hier bei Deiner Mutter, aber zu Hause habe ich die größten
Schwierigkeiten mit meiner eigenen Mutter. Liebe Muttergottes, ich bete
nie wieder ein “Gegrüßet seist Du Maria", wenn du
nicht hilfst, die Situation zu Hause zu entschärfen."
“Ich dachte, es hat doch keinen Sinn zur Muttergottes zu beten,
wenn man nicht bereit ist, die eigene Mutter zu respektieren", erklärt
mir Johannes. “Eine glatte Erpressung" werfe ich ein. Er lacht:
“Ist auch nicht zur Nachahmung empfohlen." Das Ergebnis aber
zeigt: Die Muttergottes geht auch auf kuriose “Bitten" ein.
Denn eine Woche, nachdem er daheim die Arbeit wieder übernommen hat,
stellt er plötzlich fest: Eine ganze Woche war ohne Auseinandersetzung
vergangen. Keine Einmischung der Mutter war Grund zu einem Streit geworden
und auch die Mutter hatte Bemerkungen des Sohnes, die sie sonst verärgert
hatten, einfach überhört. Johannes war großzügiger
geworden, die Mutter gelassener. Und so blieb es auch. Eine Heilung hatte
stattgefunden. Also Bahn frei für die nächsten “Gegrüßet
seist du Maria".
Dies war die erste bewußt erlebte Gebetserhörung. Ähnliche
Glaubenserfahrungen werden folgen, obwohl er weiterhin kein eifriger Beter
oder Kirchgänger ist: etwa die scheinbar unmögliche geistige
Heilung eines Freundes, der sich umbringen möchte. Zum ersten Mal
beschließt Johannes, den Rosenkranz zu beten, obwohl er das für
ein Altweibergebet hält. Er ruft Freunde und auch die nicht-religiösen
Eltern des jungen Mannes an, damit sie alle für ihn beten. “Wenn
das nicht hilft, bete ich nie wieder einen Rosenkranz, dachte ich in meiner
naiven untheologischen Sichtweise", stellt er lachend fest und fügt
hinzu: “Als besonderes Opfer betete ich mit einem Plastik-Rosenkranz.
Die mag ich nämlich gar nicht."
Als er den Freund wiedersieht, ist dieser tatsächlich wie ausgewechselt,
hat eine Umkehr erlebt und erzählt voller Hoffnung, daß er
bereits auf der Suche nach einem Job sei, um seine Schulden zurückzuzahlen.
Gebet hilft also wirklich, stellt Johannes fast erschrocken fest. “Was
ist die Konsequenz? Ich darf nicht mehr damit aufhören. Das wäre
ja unverantwortlich."
Und noch eine besondere Bitte wird erhört: Er möchte endlich
einen Sinn für die Hl. Messe geschenkt bekommen, denn einstweilen
verschläft er noch das meiste des Geschehens. Auch hat er immer eine
Ausrede, sonntags die Messe zu versäumen: die viele Arbeit. Einige
Zeit später - die Bitte hatte er vergessen - zieht es ihn eines Sonntags
fast magisch in die Kirche. Er hört zu, alles spricht ihn an, er
ist hell wach. Wieso ist das möglich? Da erinnert er sich: Ich habe
ja darum gebetet. Von da an wird er so oft wie möglich in die Messe
gehen und feststellen, daß er zwar Zeit einsetzt, dafür aber
ein besseres Zeitbewußtsein bekommt.
Ein großes Vorbild beim Beten ist ihm sein Vater: Von Natur aus
war dieser nicht so sanft, gelassen und großzügig, wie er ihn
später kannte. Johannes vermutet, daß dies mit dem dicken Lederbuch
zusammenhängt, in dem der Vater abends immer liest. So beschließt
er, sich auch so ein Buch zu besorgen: Ein Brevier. Von da an betet Johannes
täglich die Gebete der Kirche und erkennt immer deutlicher, daß
das Gebet die Essenz des Lebens ist, die ihm viele persönliche Glaubenserfahrungen
beschert.
Er denkt über seine Berufung nach und möchte ein Sabbatjahr
einlegen. “Ich konnte nicht glauben, daß dieser Alltag - bis
um drei Uhr morgens aufbleiben - mein Weg sein sollte. Ich fühlte
mich zu Höherem berufen. Heißt es doch: wer nichts wird, wird
Wirt." Sein jüngerer Bruder ist bereit, für ihn einzuspringen.
“Wenn es dir gefällt, kannst du das Haus behalten. Dann weiß
ich, daß es nicht meine Berufung ist,", erklärt ihm Johannes
vor seiner Abfahrt nach Indien und Sri Lanka, wo er intensives christliches
Leben kennenlernt.
Nach seiner Rückkehr führt er gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian
den Gasthof. Wenn alle Gäste gegangen sind, sitzen die beiden dann
in der Gaststube, überdenken den Tag und beten miteinander noch das
Stundengebet. Differenzen, so vorhanden, werden dabei im Nu ausgeräumt.
“Durch das gemeinsame Gebet habe ich erlebt, welche Kraft es geben
kann. Ich begriff, was es heißt, ein Herz und eine Seele zu sein",
erinnert sich Johannes gern an diese schöne Zeit zurück. Für
seinen Bruder Sebastian war diese Zeit wohl mitentscheidend für dessen
Entschluß in die Gemeinschaft des Hl. Johannes einzutreten.
Was seine eigene Berufung anbelangt, läßt sich Johannes von
seinem Seelsorger und auch vom Erzbischof, der ihn gut kennt, beraten.
Und bald ist für ihn klar: Seine Berufung ist der Alltag hier im
Gasthof. Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, hier kann
er viele erreichen und vielen dienen. “Wir brauchen christliche
Familien. Sie sind der Ackerboden aus dem Berufungen hervorbrechen,"
sagt ihm Erzbischof Georg Eder. “Also gut", denkt sich Johannes,
“aber dann, lieber Gott, mußt du mir eine liebe Frau aussuchen."
Bis es soweit ist, hält er sich an den zweiten Ratschlag, den ihm
der Priester in Lourdes gegeben hat: “Such' dir eine Gemeinschaft
von Christen." So erkundet er den reichen Schatz der alten und neuen
Gemeinschaften bleibt dann bei den Lorettos, wo er fast von Anfang an
dabei ist. Inspiriert von Ludwig v. Montfort gründet er aber auch
selber die “Gemeinschaft der Donnersöhne". Das hat folgenden
Hintergrund: An den Tagen, an denen der Betrieb geschlossen bleibt, fühlt
sich Johannes oft einsam. Da fällt ihm ein Wort des Papstes ein:
“Wenn ihr einmal traurig seid oder einsam, dann sucht euch einen
Menschen, dem es noch schlechter geht." Er beschließt also,
an einsamen Tagen eine einsame alte Frau zu besuchen. Aufgrund ihrer Einsamkeit
leidet sie unter vielen Ängsten. Eines Tages lädt er sie daher
ein, Mitglied der “Gemeinschaft der Donnersöhne" zu werden.
Er gibt ihr einen selbstsgebastelten Mitgliedsausweis mit seiner (Not-)Rufnummer,
wo sie ihn rund um die Uhr erreichen kann. Er komme dann zur Hilfe. Mit
einem Schlag sind ihr Ängste weg. Als “Gegenleistung"
bittet Johannes um ihr Gebet. Und plötzlich findet Angela wieder
zum Gebet. Daher beschließt er, weitere alte Menschen in die Gemeinschaft
aufzunehmen.
Eines Tages darf er eine wunderbare spirituelle Erfahrung machen, die
ihn darin bestärkt, daß Gott zu suchen, das Wichtigste ist:
Es ist drei Uhr nachts, und er geht durch den dunklen Gang zu seinem Zimmer.
Plötzlich spürt er die Anwesenheit eines Engels und eine Frage
steht im Raum: “Was wünschst Du Dir?" Ja was? Ein Auto
oder Geld, mehr Geschäft? Nein, es muß etwas Besonderes sein.
Ohne recht zu wissen, was damit gemeint ist, wünscht er sich Gnade.
Der Engel verschwindet und es ist, als würde etwas auf ihn herabrieseln.
Er weiß: Jetzt ist etwas Wunderbares geschehen, er hat sich das
Richtige gewünscht. Nur, was ist Gnade eigentlich? Auf der Suche
nach einer Antwort auf diese Frage erfährt er, daß “Johannes"
soviel heißt wie: “Gott schenkt Gnade". Und Gnade ist:
Gott schenkt sich selbst dem Menschen und verändert ihn. So werden
wir zu Seinen Kindern. Und so sieht sich wohl auch Johannes Wächter:
als von Gott geliebtes Kind, das immer mehr Seine Liebe sucht.
Im Jubeljahr 2000 zeichnet sich eine Wende in seinem Leben ab: Johannes
lernt seine hübsche Frau Theresa bei einer Wallfahrt nach Altötting
kennen - und verliebt sich sofort in sie. Er solle sich ein bißchen
um Theresas Seelenleben kümmern, hatte ihn ihre Schwester, die bei
ihm im Betrieb aushilft, vor der Wallfahrt gebeten. Und das hat Johannes
letztlich so gründlich getan, daß die beiden im Oktober des
Vorjahres geheiratet haben.
Temperamentvoll erzählt mir Theresa, auch sie habe im Betrieb ausgeholfen.
Wenn Johannes, damals noch ihr Chef, sie dann um 2 Uhr nachts heimbringt,
fährt er meist Umwege - damit sie den Rosenkranz noch miteinander
zu Ende beten können. Die Komplet haben sie schon vorher gebetet...
Man kann nicht behaupten, Johannes hätte seine zukünftige Frau
im Unklaren darüber gelassen, wie wichtig ihm das Gebet ist. Theresa
ist damit ganz einverstanden und bezeugt gerne, daß sie froh über
seine spirituelle Führung ist. Was sie besonders an ihm bewundert,
ist seine Geradlinigkeit und Beständigkeit im Glauben. Sie sieht
auch, daß Besucher des Gasthofes, die eigentlich gar nicht seine
religiöse Meinung teilen, immer wieder kommen, obwohl er geradezu
unverschämt immer wieder über den Glauben spricht. Offensichtlich
kommt seine Authentizität gut an. Er lebt so, wie er denkt, und kennt
dabei keine Menschenfurcht. Gelegen oder ungelegen bezeugt er seinen Glauben.
Ein gemeinsamer Freund erzählt von den Wallfahrten, die Johannes
jeden 1. Samstag im Monat von Salzburg nach Maria Plain macht. Sie hat
eine Vorgeschichte: Der Irakkrieg steht vor der Tür. Johannes ruft
am Tag vor Maria Verkündigung zu einer Wallfahrt nach Maria Plain
auf. 80 Leute, die teilweise durch den Rundfunk von dieser Aktion gehört
hatten folgen einem historischen Rosenkranzweg zur Mutter vom Guten Rat
quer durch die Stadt. Getreulich führt er diese Wallfahrten seither
weiter. Bewundernd ergänzt der Freund: “Da ist es auch schon
vorgekommen, daß Johannes in Begleitung von nur einem Mitbeter mit
einem selbstgezimmerten Kreuz auf der Schulter mitten unter den Touristenmassen
nach Maria Plain pilgert."
Um Hilfe für die Algerien-Geiseln - zwei von ihnen sind seine Verwandten
- zu erbitten, besucht er im Vorjahr die Leonhardskirche (der Hl.Leonhard
ist Schutzpatron der Gefangenen) bei Tamsweg. Er verspricht dem Heiligen,
er werde zu seiner Hochzeit wieder hierher pilgern, falls die Geiseln
freikommen. Nachdem sie tatsächlich freigelassen werden, setzt er
sein Versprechen um: Am Tag seiner Hochzeit zieht er, mit einem Megaphon
bewaffnet, dem Hochzeitszug voran in einer Prozession auf den Berg, auf
dem die Leonhardskirche liegt, und betet den Rosenkranz vor. Oben wird
dann die Hochzeitsmesse gefeiert. Die ganze Hochzeit ist ein Glaubenszeugnis:
Vor der Hochzeit findet eine Nachtanbetung statt, auf der Hochzeitstafel
liegen Rosenkränze - und die Hochzeitsreise geht nach Rom. Dort bekommen
die Jungverheirateten den Segen des Papstes.
In der Ehe hat Johannes nun seine tiefste Gemeinschaft gefunden. Gemeinsam
sind Theresa und er nun für die Menschen da, die ins Haus kommen.
“Ob Jude,Heide oder Christ willkommen sei wer hungrig ist",
ist auch ihr Motto. Für sie alle gibt es auch geistige Nahrung :
Von Vorträgen und Gesprächen bis zu Feiern aller Art. Für
Johannes ist der katholische Glaube die modernste, offenste ja einzige
Religion die er aber stark bedroht sieht. So ist er zu ihrem Wächter
geworden und macht damit seinem Namen alle Ehre . Ein Wächter, so
meint er, darf keine Furcht davor haben, vor dem Feind zu warnen, er muß
immer wachsam sein. Zur Wachsamkeit aber gehört ganz wesentlich das
Wachsen. “Das Wachsen im Glauben, war auch der dritte Rat des Priesters
in Lourdes gewesen. Man kann nicht gläubig sein, ohne im Glauben,
das heißt in der Liebe, zu wachsen." Wachsen braucht auch warten.
Gewartet hat er sehr lange auf seine Theresa und gemeinsam mit ihr bis
zur Hochzeit wie es die Kirche empfiehlt.
Wesentlich für dieses Wachstum war und ist seine Familie sowie die
Erfahrungen die er in den verschiedenen neuen Gemeinschaften sowie bei
der Anbetung und dem Rosenkranzgebet macht. All das spürt man, wenn
man sein Haus betritt, es schwingt in seiner ganzen, einerseits humorvollen
andererseits sehr bekennenden, ehrlichen und überzeugenden Persönlichkeit
mit: wohl ein seltenes Original. Daher stimmt, was man hört: hier
erlebt man eine Herberge im guten christlichen Sinn. Man merkt, daß
Johannes großen Wert auf die echte Gastfreundschaft zum Unterschied
von der Gastfreundlichkeit, von der in vielen Hotelprospekten die Rede
ist, legt. “Freundschaft ist kompromißlos. Freundschaft ist
ein Geschenk und auch eine Entscheidung. Egal, wer daherkommt: Priester
oder Nonnen, “Zwiderwurzen" oder Nörgler, im Glauben zu
mir passend oder nicht, ich biete allen meine Gast-Freundschaft an. Ich
lebe mit den Menschen mit. Wenn ich sehe, einer hat Probleme oder ist
krank, dann muß ich für ihn beten und fasten."
Doch nicht nur das Wohl seiner Gäste ist ihm ein Anliegen: wo Not
auftaucht, hilft er. Bescheiden in seinem Lebensstil gibt er weiter, was
er nicht unbedingt braucht.
Übrigens: wir freuen uns schon auf den neuen Erdenbürger, der
im Haus Wartenberg im heurigen Jahr erwartet wird.
|